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Lautleseverfahren

a)    Wiederholendes Lautlesen

Ein Tutor (Lehrer/in, Schüler/in mit guten Lesekompetenz, andere Erwachsene – Lesemetoren) tritt bei dieser Fördermethode als Lesetrainer/in in Aktion, indem er/sie synchron mit dem Tudanten Kind einen vorgegebenen Text halblaut liest. Der Tutor ist nun das Lesevorbild, das den Text in angemessener Geschwindigkeit und entsprechender Betonung (Zeichensetzung „mitlesen“) liest und vom Kind möglichst fehlerfrei mitgelesen wird. Und so wird es gemacht:
·    Auswahl eines einfachen, nicht zu langen Textes  (siehe unten);
·    Der Text wird gemeinsam mit dem Kind halblaut gelesen. Gute Betonung und Pausen sind sehr wichtig!
·    Beim Lesen sollte man mit dem Finger den Text begleiten, damit sich das Kind gut orientieren kann.
·    Wenn es einen Lesefehler macht,  ein paar Sekunden warten, ob es sich selbst ausbessert. Wenn nicht, stoppen, das Wort berichtigen (ev. auch die Bedeutung erklären) und wieder am Satzanfang beginnen.
·    Der Text kann bis zu fünfmal gelesen werden – ab dem zweiten Mal in angemessener Geschwindigkeit. Wichtig dabei ist, dass das Kind mitkommt.
·    Wenn das Kind länger fehlerfrei liest, kann der Tutor aussteigen – dazu kann man sich vorher mit dem Kind ein Zeichen ausmachen.
·    Wichtig ist es das Kind zu loben, wenn es den Text immer besser lesen kann!
·    Motivierend ist es auch, wenn man die Lesezeit misst, die das Kind beim ersten Mal braucht und wie viel Zeit es beim letzten Mal benötigt.
·    Ziel ist es, dass das Kind möglichst fehlerfrei, in angemessener Geschwindigkeit und entsprechender Betonung den Text lesen kann.
·    Ist dies der Fall, geht man zum nächsten, etwas schwierigeren Text gehen (siehe unten)
WICHTIG:    Dieses Training ist sehr effizient, sollte aber nicht länger als 20 Minuten durchgeführt werden, da es eine hohe Konzentration erfordert.
Dreimal pro Woche durchgeführt, bringt dieses Training eine signifikante Verbesserung der Lesekompetenz.  

b)    Lautes Vorlesen mit Wiederholung

Das Kind soll einen Text, den es sich selbst ausgesucht hat, laut vorlesen. Je nach Lesekompetenz des Kindes, wird für den Text eine bestimmte Zeitvorgabe gemacht – also wie viele Wörter pro Minute gelesen werden sollen. Außerdem sollte der Text möglichst fehlerfrei und mit entsprechender Betonung gelesen werden.
Wenn das Kind den Text in der vorgegebenen Zeit möglichst fehlerfrei schafft, gibt es ein dickes Lob und man kann zum nächsten Text gehen, der vielleicht etwas schwieriger oder/und länger ist.
Sollte es den Text in der vorgegebenen Zeit nicht schaffen, muss es eben noch trainieren.

Zur Erläuterung:   
Das Stoppen der Zeit schafft bei entsprechenden Verbesserungen vor allem beim Kind das Gefühl, dass es vorwärts geht, dass sich der Einsatz lohnt. Die Zeit sagt dem Kind, dass es einfach besser lesen kann, wenn es einen Text in kürzerer Zeit ohne Fehler lesen kann. Fazit: Training lohnt sich!
Sollten die „Zeitnehmung“ für das Kind ein Problem bedeutet, sollte man es auf jeden Fall bleiben lassen, denn dann ist dies nicht die geeignete Form der Motivation für dieses Kind.
Wie bereits erwähnt spielt die Lesegeschwindigkeit beim Lesen natürlich auch eine Rolle. Kinder sollten beim stillen Lesen nicht weniger als 150 Wörter pro Minute lesen. Eine durchschnittliche Leistung sind ca. 200 Wörter pro Minute. Sehr gute Leser/innen kommen auf mehr als 250 Wörter. Beim lauten Lesen ist die Lesegeschwindigkeit natürlich etwas langsamer.

Beispiel zum Lesetraining:
Wiederholendes Lautlesen


Lesen Sie den Text gemeinsam mit dem Kind halblaut.
Lesefehler verbessern – ev. Wort erklären.
Wiederholen, bis der Text flüssig in angemessener Geschwindigkeit möglichst ohne Lesefehler gelesen wird.

Teil 1:
 
Probier es mal mit Musik!
(Hermann Pitzer)
Ich habe eine einfache Möglichkeit gefunden, alle aus dem Zimmer zu verjagen, ohne dass ich etwas sagen muss. Ich beginne einfach Klarinette zu üben. Seit vier Wochen lerne ich jetzt dieses Instrument und ich gebe zu, dass die Töne, die ich meiner Klarinette entlocke, sich noch nicht besonders gut anhören. Aber in einem halben Jahr klingt das sicher schon ganz anders. Und in einem Jahr darf ich dann – wenn ich fleißig übe  - in der Jugendkapelle mitspielen. Ich bin sicher, dass ich dann niemanden mehr aus dem Zimmer verjage, wenn ich übe. Musik hat für mich eine besondere Bedeutung, denn sie weckt Gefühle in mir und sorgt für gute Laune. Wenn man selbst ein Instrument spielt, kann man durch die Spielweise Gefühle ausdrücken.
(130 Wörter)  
Ziel:  Der Text sollte in ca. 1 – 1,5 Minuten gelesen werden.

Teil 2:

Auch beim Musikhören empfinden wir bestimmte Emotionen. Unter Emotionen  versteht man starke Gefühle, wie Freude, Liebe, Sehnsucht, Angst, Wut, usw. Du hast sicher auch eine Musik, die du besonders gerne hörst. Und vielleicht hast du auch schon bemerkt, dass du beim Anhören dieser Musik eine Gänsehaut bekommst oder dich besonders glücklich fühlst. Forscher haben nämlich herausgefunden, dass sich Musik direkt auf den Körper auswirkt. Das Hören ist neben dem Sehen die wichtigste Sinneswahrnehmung des Menschen. Schon vor der Geburt kann der Mensch im Mutterleib Geräusche und Stimmen unterscheiden. Und du wirst es nicht glauben, ungeborene Babys reagieren auch auf Musik, die sich die Mama anhört. Die eine Musik wirkt sich beruhigend aus, andere Musik bringt das Baby zum Strampeln und die Mama weiß meistens bald, welche Musik für ihr Kind angenehm und welche unangenehm ist.
(135 Wörter)
Ziel:  Der Text sollte in ca. 1 – 1,5 Minuten gelesen werden.

Teil 3:
Natürlich wirkt Musik auch auf deinen Körper. Sie verändert zum Beispiel deine Herzfrequenz und deinen Pulsschlag, deinen Gesichtsausdruck, deine Körperhaltung, deine Atmung, usw. Dagegen kannst du dich auch nicht wehren, denn das passiert alles unbewusst. Das ist so ähnlich wie mit deinem Herzschlag oder deiner Verdauung, das funktioniert einfach, ohne dass du nachdenken musst und ohne dass du es verändern kannst, es passiert unbewusst. Bei diesen Reaktionen des Körpers auf die Musik spielt neben der Melodie vor allem der Rhythmus eine wichtige Rolle. Ist es ein stark rhythmisch betontes Lied, das du dir anhörst, dann wirkt das anregend, belebend, aufregend. Ruhige und sanfte Musik wirkt dagegen eher beruhigend und entspannend.
Wissenschaftler haben auch herausgefunden, wie sich Musik auf unser Gehirn auswirkt. Bei  Kindern, die viel Musik hören und vor allem selbst Musik machen – also ein Instrument spielen – entwickelt sich das Gehirn besser. Sie schneiden bei Intelligenztests besser ab, können sich besser konzentrieren und sind auch in der Schule besser als Kinder, die keine Musik machen.
(165 Wörter)
Ziel:  Der Text sollte in ca. 1 – 1,5 Minuten gelesen werden.

Teil 4:
Wie funktioniert das aber eigentlich mit dem Hören? Wenn du eine Melodie hörst, dann werden in deinem Ohr die Schwingungen des Trommelfells von den Gehörknöchelchen – die heißen Hammer, Amboss und Steigbügel – zur Hörschnecke weitergeleitet. Feine Haarzellen wandeln diese Schwingungen in Nervenimpulse um und diese Signale sausen dann in dein Gehirn. Und dort werden sie wieder verarbeitet – erst jetzt „hörst“ du die Musik.
Die Wirkung von der Musik auf den Menschen ist schon sehr lange bekannt und deshalb wird sie auch in allen möglichen Bereichen genutzt. Wenn du heute in ein Einkaufszentrum gehst, dann hörst du Musik. Vielleicht fällt sie dir ja gar nicht auf, aber du hörst sie trotzdem und sie hat eine Wirkung. Sie soll die Menschen entspannen und helfen, dass man gut aufgelegt ist und dann auch etwas einkauft. Mittlerweile gibt es eigene Betriebe, die speziell Musik komponieren für den Einsatz in Kaufhäusern oder Supermärkten.
Aber auch das Militär hat schon immer auf die Musik gesetzt. Der regelmäßige Rhythmus eines Marsches wirkt auf den Menschen positiv. Sicher hast du schon einmal selbst bemerkt, dass man bei Marschmusik automatisch im Takt dazu marschiert.
(184 Wörter)
Ziel:  Der Text sollte in ca. 1,5 - 2 Minuten gelesen werden.

Teil 5:

Wenn du dir Filme im Kino oder im Fernsehen ansiehst, spielt die Filmmusik eine wichtige Rolle, die Handlung des Films zu unterstützen. Zum Beispiel werden besonders spannende Stellen im Film durch die Musik noch spannender, denn auch hier nehmen wir die Musik meistens nur unbewusst wahr, aber sie hat trotzdem ihre Wirkung.
Und schließlich wird Musik auch in der Medizin eingesetzt. Man nennt das Musiktherapie. Das Wissen, dass Musik eine heilende Wirkung auf den Menschen hat, ist uralt. Heute wird Musik zum Beispiel gegen Schmerzen eingesetzt oder bei der Geburtshilfe und man weiß, dass spezielle Musik die Heilung nach Operationen beschleunigen kann.
Du siehst, dass Musik für den Menschen eine ganz wichtige Rolle spielt. Wenn du also selbst ein Instrument spielst oder gerne singst, dann gib nicht auf sondern übe weiter, auch wenn es nicht immer Spaß macht. Der Spaß kommt mit dem Können.  Nutze die Möglichkeit mit anderen Kindern oder Erwachsenen gemeinsam Musik zu machen. Wenn du einmal erlebt hast, wie toll es ist, gemeinsam zu musizieren, hast du ein Hobby, das dich vielleicht dein ganzes Leben begleitet.
(179 Wörter)
Ziel:  Der Text sollte in ca. 1,5 - 2 Minuten gelesen werden.